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Politik 03.07.2026, 14:47

"Entlastung" bröckelt: So viel bleibt von der Steuerreform wirklich übrig

Steuerreform entlastet Familien rechnerisch um Hunderte Euro jährlich.

Wichtige Fakten

  • Steuerreform entlastet Familien rechnerisch um Hunderte Euro jährlich.
  • Rentenbeitrag steigt 2028 auf fast 19,9%.
  • IW: Single bei 70.000 € -97 € Verlust nach Abgaben.
  • Kapitalrente erfordert zwei Prozentpunkte Zusatzbeitrag.
  • Grüne kritisieren ausbleibende Senkung von Sozialabgaben.

Versprechen versus Realität

Die Bundesregierung propagiert eine deutliche Steuerentlastung für Familien. Laut Finanzministerium sinkt die Steuerbelastung – eine Familie mit zwei Kindern und rund 77 000 Euro Haushaltseinkommen soll 642 Euro mehr haben, ein Alleinerziehender mit zwei Kindern und 60 000 Euro sogar 496 Euro. Grundlage dieser Berechnung sind die aktuellen Sozialabgaben.

Stiefkind Sozialabgaben

Problematisch ist jedoch der zeitliche Horizont: Bereits 2028 steigt der Rentenbeitrag auf voraussichtlich 19,9 Prozent (bisher 18,6 %). Finanziert werden soll dies auch über eine neu eingeführte Kapitalrente. Deren zusätzlicher Kostenpunkt: etwa zwei Prozentpunkte mehr. Auch die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden nach Einschätzung von Experten steigen. Rechnet man diese Effekte ein, verpufft die Steuerentlastung für viele Arbeitnehmer.

IW-Analyse alarmiert

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat den Nettoeffekt simuliert: Ein Single mit 50 000 Euro Jahreseinkommen steht nach Steuerreform ab 2028 mit 47 Euro jährlich im Minus – bezieht man den steigenden Sozialabgabensatz mit ein. Bei 70 000 Euro beträgt der Verlust 97 Euro, bei 90 000 Euro sogar 186 Euro. Familien bilanzieren besser, weil Kindergeld und Kinderfreibeträge voll wirken; bei 50 000 Euro Haushaltseinkommen bleiben plus 327 Euro. Doch auch dem steht der zusätzliche Kapitalrentenbeitrag entgegen.

Steuerexperte Tobias Hentze hält die Reform grundsätzlich für richtig, kritisiert aber, dass die kalte Progression nicht vollständig ausgeglichen werde. Finanzminister Klingbeil verweist indes auf „viele Baustellen“ und eine angekündigte Renten- sowie Krankenversicherungsreform. So bleibt die endgültige Bilanz fraglich.

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