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International 22.04.2026, 02:05 Aktualisiert: 22.04.2026, 15:12

EU-Kommission drängt auf koordinierte Antwort auf Energiekrise nach Iran-Krieg

EU-Kommission schlägt Kraftstoffbeobachtungsstelle und Steuererleichterungen für Wärmepumpen vor.

Wichtige Fakten

  • EU-Kommission schlägt Kraftstoffbeobachtungsstelle und Steuererleichterungen für Wärmepumpen vor.
  • Seit Kriegsbeginn stiegen EU-Importkosten für fossile Brennstoffe um 24 Milliarden Euro laut Kommission.
  • E.ON-Chef Thon: Gaspreise stiegen im Einkauf um 75%, Strom um 35% - keine baldige Entspannung.
  • 76% der deutschen Haushalte wechseln trotz Sparpotenzial von mehreren hundert Euro ihren Stromvertrag nicht.
  • Greenpeace kritisiert EU-Pläne als unzureichend, fordert Übergewinnsteuer für Öl- und Gaskonzerne.

EU-Kommission will nationale Alleingänge beenden

Die EU-Kommission hat am 22. April 2026 konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um die bisher unkoordinierte Reaktion der Mitgliedstaaten auf die explodierenden Energiepreise zu beenden. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar haben 23 von 27 EU-Ländern über 150 Einzelmaßnahmen ergriffen, die Kosten von rund zwölf Milliarden Euro verursachen. Die Importkosten für fossile Brennstoffe sind laut Kommission um 24 Milliarden Euro gestiegen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte die Notwendigkeit einer gemeinsamen Strategie, um gegenseitige Preisauftreibungen zu verhindern und die Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu reduzieren.

Neue Vorschläge: Von Beobachtungsstelle bis Atomkraft

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören eine Beobachtungsstelle zur Überwachung der Treibstoffvorräte in den 27 Mitgliedsländern, die Koordination der Gasspeicherbefüllung und die Optimierung der Kerosinverteilung. Die Kommission will Steuererleichterungen für den Einbau von Wärmepumpen, Solaranlagen und den Kauf von Elektroautos ermöglichen. Atomenergie wird in einem Strategiepapier als 'wichtiger Bestandteil' zur Vermeidung von CO2-Emissionen bezeichnet, wobei Mini-Atomkraftwerke und der Erhalt bestehender Kernkraftwerke empfohlen werden. Zudem plant Brüssel ein Programm für staatliche Beihilfen, um besonders betroffene Branchen wie Schwerindustrie, Landwirtschaft und Fischerei zu unterstützen.

Kritik an mangelnder Zielgenauigkeit und halbherzigen Maßnahmen

Wissenschaftler wie Alice Moscovici vom Jacques Delors Institut kritisieren, dass viele nationale Maßnahmen nicht zielgenau sind und auch wohlhabendere Haushalte entlasten, was Anreize für Energieeinsparungen untergräbt. Umweltorganisationen wie Greenpeace bezeichnen die Kommissionsvorschläge als unzureichend. Greenpeace-Energieexperte Thomas Gelin fordert eine Besteuerung der 'obszönen Gewinne' der Öl- und Gaskonzerne, während EU-Parlamentarier Rasmus Andresen (SPD) das Fehlen eines Preisdeckels und einer EU-weiten Übergewinnsteuer kritisiert. Die Kommission lehnte beides ab und warnte vor kontraproduktiven Effekten.

Verbraucher leiden unter hohen Preisen und Wechselträgheit

In Deutschland warnen Netzbetreiber und Verbraucherschützer vor weiter hohen Energiepreisen. E.ON-Chef Filip Thon sagt, das generelle Preisniveau vor dem Iran-Konflikt werde nicht schnell zurückkehren - im Einkauf stiegen die Gaspreise um 75%, die Strompreise um 35%. Gas-Neukunden zahlen rund 10,5 Cent pro Kilowattstunde, 25% mehr als vor Kriegsbeginn. Trotzdem wechseln 76% der deutschen Haushalte ihren Stromvertrag nicht, obwohl sich ein Wechsel oft um mehrere hundert Euro lohnen würde. Laut einer Umfrage haben 58% der Befragten große Sorgen vor Einschränkungen durch steigende Preise, bei einkommensschwachen Haushalten sind es 66%.

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