Koalition strebt Mineralölsteuersenkung zum 1. Mai an - Konkreter Zeitplan und anhaltende Kritik
Wichtige Fakten
- • Mineralölsteuer auf Diesel/Benzin soll um 17 Cent/Liter für zwei Monate gesenkt werden
- • Umsetzung zum 1. Mai geplant - Sondersitzung des Bundesrats am 24. April nötig
- • Steuerausfälle belaufen sich auf etwa 1,6 Milliarden Euro
- • Beschäftigte sollen steuerfreie 1.000-Euro-Prämie von Arbeitgebern erhalten
- • Gegenfinanzierung durch frühere Tabaksteuererhöhung vorgesehen
Konkreter Zeitplan für die Steuersenkung
Die Koalition will die Mineralölsteuersenkung auf Diesel und Benzin um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter möglichst schnell umsetzen, wobei als Termin der 1. Mai im Gespräch ist. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) erklärte, der entsprechende Gesetzentwurf solle diese Woche in erster Lesung in den Bundestag gehen, mit abschließender Lesung kommende Woche. Für eine Umsetzung bis Anfang Mai sei jedoch eine Sondersitzung des Bundesrats am 24. April nötig, wobei sowohl unionsregierte Länder als auch die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) dafür offen sind.
Entlastungsmaßnahmen und Finanzierung
Die befristete Steuersenkung für zwei Monate führt laut Finanzministerium zu Steuerausfällen von etwa 1,6 Milliarden Euro. Zusätzlich sollen Beschäftigte eine steuerfreie 1.000-Euro-Prämie von ihren Arbeitgebern erhalten können, während Unternehmen diese Zahlung von der Steuer absetzen dürfen. Zur Gegenfinanzierung ist eine frühere Erhöhung der Tabaksteuer geplant. Diese Maßnahmen reagieren auf die durch den Iran-Krieg verursachte Energiekrise und steigende Spritpreise.
Politische Reaktionen und Kritik
Während DGB-Chefin Yasmin Fahimi die Mineralölsteuersenkung als richtiges Zeichen begrüßt und AfD-Chef Tino Chrupalla die Entlastungen im Kern positiv bewertet (aber eine zu lange Entscheidungsdauer und zusätzliche Maßnahmen wie die Abschaffung der CO2-Abgabe fordert), gibt es erhebliche Kritik. Ökonomen wie Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und Monika Schnitzer, Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, kritisieren die Pläne als sozial unausgewogen und ineffektiv, da sie mit der "Gießkanne" entlasten und große Mitnahmeeffekte verursachen würden. Greenpeace und einige SPD-Abgeordnete warnen vor Fehlanreizen, die die fossile Energieabhängigkeit verlängern statt Alternativen zu stärken.
Perspektiven von Betroffenen und Experten
Pendler wie Claudia Gansel äußern Skepsis, da die Entlastung nur etwa 10 Euro pro Monat bringe und das Autofahren wieder attraktiver mache, was ein falsches Signal sei. Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnet die Maßnahmen als "Mogelpackung", da sie nicht zielgenau seien und vor allem Menschen mit wenig Einkommen nicht ausreichend helfen würden. Zudem bestehen Bedenken, dass die 17 Cent schnell verpuffen könnten, wenn Ölkonzerne die Preise wieder anziehen, was die langfristige Wirksamkeit der Entlastung infrage stellt.
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