Pakistan erklärt 'offenen Krieg' gegen Afghanistan nach tödlichen Grenzgefechten
Wichtige Fakten
- • Pakistanische Luftangriffe trafen Ziele in Kabul, Kandahar und Paktia als Teil der 'Operation Ghazab lil-Haq'.
- • Pakistan meldet 133 getötete afghanische Kämpfer, Afghanistan spricht von 55 toten pakistanischen Soldaten und 8 eigenen Toten.
- • Die UN-Hilfsmission UNAMA berichtet von 13 getöteten Zivilisten bei früheren pakistanischen Luftangriffen.
- • Die Taliban-Regierung startete eine Bodenoffensive gegen pakistanische Militärposten an der Grenze als Gegenreaktion.
- • Ein 2025 von Katar und Türkei vermittelter Waffenstillstand erwies sich als brüchig und konnte keine dauerhafte Lösung bringen.
Eskalation zum offenen Krieg
Pakistan hat nach tödlichen Grenzgefechten einen 'offenen Krieg' gegen Afghanistan erklärt und als Vergeltung für afghanische Angriffe die 'Operation Ghazab lil-Haq' gestartet. Pakistanische Luftstreitkräfte bombardierten in der Nacht militärische Ziele in der afghanischen Hauptstadt Kabul sowie in den Provinzen Kandahar und Paktia. Verteidigungsminister Khawaja Mohammad Asif begründete dies auf X damit, dass die Geduld seines Landes am Ende sei und man nun 'offenen Krieg' führe.
Widersprüchliche Opferzahlen und gegenseitige Vorwürfe
Beide Seiten liefern stark abweichende Angaben zu den Opfern: Afghanistan behauptet, 55 pakistanische und acht eigene Soldaten getötet sowie 19 pakistanische Militärposten zerstört zu haben. Pakistan spricht dagegen von zwei eigenen toten Soldaten und 133 getöteten afghanischen Kämpfern, deren 27 Stellungen zerstört worden seien. Die Taliban-Regierung startete zuvor eine Bodenoffensive gegen pakistanische Grenzposten und bezeichnete dies als Reaktion auf pakistanische Grenzverletzungen und Luftangriffe, bei denen laut UNAMA 13 Zivilisten getötet wurden.
Historischer Hintergrund und aktuelle Dynamik
Der Konflikt wurzelt in der umstrittenen Durand-Linie, die Afghanistan seit dem 19. Jahrhundert nicht anerkennt. Pakistan wirft den Taliban vor, pakistanische Taliban-Kämpfer (TTP) zu unterstützen, die von Afghanistan aus Angriffe verüben. Die Taliban bestreiten dies und verweisen auf interne pakistanische Probleme. Experten wie Thomas Ruttig sehen trotz der Kriegserklärung Chancen für diplomatische Lösungen, da beide Seiten an einer Destabilisierung nicht interessiert sind, warnen aber vor dem Potenzial asymmetrischer Kriegsführung durch die Taliban.
Internationale Reaktionen und humanitäre Lage
UN-Menschenrechtschef Volker Turk forderte einen 'dringenden politischen Dialog' und zeigte sich besorgt über zivile Opfer. Saudi-Arabien, Russland und China riefen zur Deeskalation und zu Verhandlungen auf. Die Gewalt eskaliert trotz eines 2025 von Katar und Türkei vermittelten Waffenstillstands, der sich als brüchig erwies. An der Grenze wurden Zivilisten evakuiert, und der seit Oktober geschlossene Handel verschärft die humanitäre Krise in Afghanistan, wo die Bevölkerung bereits unter Hunger und Armut leidet.
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