Spekulationen um vorzeitigen Rücktritt von EZB-Präsidentin Lagarde nehmen zu
Wichtige Fakten
- • Financial Times berichtet über Lagardes möglichen vorzeitigen Rücktritt vor Oktober 2027
- • Rücktritt soll Nachfolge vor französischer Präsidentschaftswahl im April 2027 ermöglichen
- • EZB-Sprecher: Lagarde hat keine Entscheidung über Amtsende getroffen
- • Isabel Schnabel gilt als potenzielle Nachfolgerin, steht für Posten bereit
- • Experten sehen Schritt als plausibel, um Blockaden durch rechtspopulistisches Frankreich zu vermeiden
EZB-Führungswechsel im Gespräch
Laut einem Bericht der Financial Times könnte EZB-Präsidentin Christine Lagarde ihr Amt vor dem offiziellen Ende ihrer achtjährigen Amtszeit im Oktober 2027 niederlegen. Politische Gründe stehen dabei im Vordergrund: Lagarde möchte dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz ermöglichen, noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 einen Nachfolger für die Spitze der Europäischen Zentralbank zu finden. Die Wahl soll im April 2027 stattfinden, und Macron darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten.
Reaktionen und mögliche Kandidaten
Ein EZB-Sprecher wies gegenüber Reuters darauf hin, dass Lagarde sich voll auf ihre Aufgaben konzentriere und keine Entscheidung über das Amtsende getroffen habe. Auch EZB-Direktor Piero Cipollone sagte, ihm läge keine entsprechende Nachricht vor. Ökonomen halten den Schritt jedoch für plausibel, um mögliche Blockaden durch ein rechtspopulistisch geführtes Frankreich bei Personalentscheidungen zu vermeiden. Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, betonte, dass Europa sich so auf das Risiko rechtspopulistischer Machtübernahme in Frankreich vorbereite.
Potenzielle Nachfolger und Marktreaktionen
Als potenzielle Nachfolger gelten die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel, die selbst gesagt hat, sie stehe für den Posten bereit, der frühere spanische Notenbankchef Pablo Hernández de Cos, der niederländische Zentralbankpräsident Klaas Knot und Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Da Frankreich schon zwei Mal den EZB-Chef gestellt hat, könnte es auf ein Rennen zwischen Spanien, Deutschland und den Niederlanden hinauslaufen. Lagarde äußerte bislang keine Präferenz für die Nachfolge und sagte, sie habe keinen Lieblingskandidaten.
Auswirkungen auf Märkte und Geldpolitik
An den Finanzmärkten gab es nach der Nachricht zunächst keine größeren Reaktionen, da Anleger die Situation schwer bewerten können. Experten wie Jens Südekum von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf betonen, dass die mögliche Nachfolge keinen direkten Einfluss auf die aktuelle Geldpolitik der EZB haben wird. Timo Emden von Emden Research sieht das Thema derzeit als zweitrangig an und betont, dass Planungssicherheit gegeben sei, falls Lagarde tatsächlich vorzeitig zurücktritt.
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