Ungarn wählt Orbán ab: Tisza-Partei erringt Zweidrittelmehrheit
Wichtige Fakten
- • Die Tisza-Partei erreicht mit 138 von 199 Sitzen eine Zweidrittelmehrheit im Parlament.
- • Viktor Orbán räumt nach 16 Jahren Amtszeit seine Niederlage ein und gratuliert dem Sieger.
- • Die Wahlbeteiligung lag mit 77,8% auf einem historischen Rekordniveau.
- • Peter Magyar kündigt einen pro-europäischen Kurs und die Freigabe eingefrorener EU-Gelder an.
- • Internationale Gratulationen kommen von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Bundeskanzler Merz.
Historischer Wahlsieg mit weitreichenden Folgen
Die Parlamentswahl in Ungarn hat zu einem historischen Machtwechsel geführt: Die pro-europäische Tisza-Partei von Péter Magyar hat nach Auszählung von fast 99% der Stimmen 138 der 199 Parlamentssitze errungen und damit die entscheidende Zweidrittelmehrheit erreicht. Ministerpräsident Viktor Orbán räumte nach 16 Jahren Amtszeit seine Niederlage ein und bezeichnete das Ergebnis als "schmerzhaft, aber klar". Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8% einen historischen Rekord, was auf das große Interesse an einem möglichen Regierungswechsel hindeutete.
Magyars Versprechen und Orbáns Erbe
Péter Magyar kündigte in seiner Siegesrede an, Ungarn wieder zu einem "starken Partner in der EU und in der NATO" zu machen und mit den eingefrorenen EU-Geldern in Höhe von rund 20 Milliarden Euro Reformen im Gesundheits- und Bildungssystem zu finanzieren. Orbán hatte Ungarn während seiner Regierungszeit zu einer illiberalen Demokratie umgebaut, die EU blockiert und enge Beziehungen zu Russlands Präsident Wladimir Putin sowie zu US-Präsident Donald Trump gepflegt. Seine Regierung war wegen Verstößen gegen Rechtsstaatlichkeitsprinzipien international kritisiert worden.
Internationale Reaktionen und nächste Schritte
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, Ungarn kehre "auf seinen europäischen Weg zurück", während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Zusammenarbeit für ein "starkes Europa" begrüßte. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gratulierte und signalisierte Bereitschaft zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Magyar kündigte an, zunächst Warschau, dann Wien und Brüssel zu besuchen, um die Freigabe der EU-Gelder zu verhandeln. Sein Wahlsieg löste in Budapest große Feiern aus, insbesondere unter jüngeren Wählern, die ihren gesamten Erwachsenenleben unter Orbán verbracht hatten.
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