Wilke-Skandal: Prozess gegen Ex-Manager beginnt
Wichtige Fakten
- • Prozessauftakt gegen drei Ex-Manager der Firma Wilke.
- • Angeklagt wegen fahrlässiger Tötung in elf Fällen.
- • Listerien-Belastung soll zu Todesfällen geführt haben.
- • Motiv: wirtschaftliche Interessen, Gesundheit billigend gefährdet.
- • Urteil für Mitte August 2026 erwartet.
Prozessauftakt in Kassel
Fast sieben Jahre nach dem Skandal um keimverseuchte Fleischwaren der hessischen Firma Wilke hat der Prozess gegen drei leitende Ex-Mitarbeiter vor dem Landgericht Kassel begonnen. Ihnen wird fahrlässige Tötung in elf Fällen vorgeworfen. Die Beweisakte umfasst rund 160 Ordner und ist laut Staatsanwaltschaft raumfüllend. Der Skandal, der am 2. Oktober 2019 öffentlich wurde, hatte eine lange Vorgeschichte und führte zu verschärften Kontrollen. Die Angeklagten – der 57-jährige Geschäftsführer, seine 55-jährige Stellvertreterin und der 58-jährige Produktionsleiter – sollen von 2015 bis 2019 unter katastrophalen hygienischen Bedingungen keimbelastete Wurst produziert haben. Elf Menschen im Alter zwischen 47 und 86 Jahren starben an den Folgen einer Listeriose, die auf die verseuchten Produkte zurückgeführt wird.
Vorwürfe und Beweislage
Neben fahrlässiger Tötung lauten die Vorwürfe auf fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen, Betrug und Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Schon Jahre vor den Todesfällen hatten Kontrollen Hygienemängel aufgedeckt. Im Jahr 2018 identifizierte das Robert-Koch-Institut ein bestimmtes Listerien-Cluster namens „Sigma 1“, das bei Wilke gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft sieht wirtschaftliche Motive: Die Angeklagten hätten verdorbene Ware aufbereitet und mit falschem Mindesthaltbarkeitsdatum in Verkehr gebracht.
Auswirkungen und nächste Schritte
Der Prozess soll mehr als ein Dutzend Verhandlungstage umfassen; ein Urteil wird für Mitte August erwartet. Ein Teil der Anklagepunkte ist bereits verjährt. Nach dem Skandal wurden Lebensmittelkontrollen verstärkt – die Zahl der Kontrolleure stieg um 15 Prozent. Das Wilke-Gelände in Twistetal-Berndorf liegt seit Jahren brach, es gibt aber Pläne für Wohnraum und Gewerbe.
Das könnte Sie auch interessieren
Kein Briefing mehr verpassen
Das Wichtigste des Tages jeden Morgen direkt ins Postfach.