Ben Roberts-Smith: Kriegsverbrechen-Prozess beginnt mit politischen Reaktionen
Wichtige Fakten
- • Ben Roberts-Smith wurde am Flughafen Sydney festgenommen und mit fünf Kriegsverbrechen-Morden angeklagt.
- • Die Vorwürfe betreffen drei Vorfälle zwischen 2009 und 2012 mit unbewaffneten afghanischen Zivilisten.
- • Ein Zivilgericht hatte ihn 2023 bereits für schuldig befunden, er verlor auch seine Berufung.
- • Die Ermittlungen sind schwierig, da die Tatorte in Afghanistan für Behörden unzugänglich sind.
- • Nur ein weiterer australischer Soldat wurde bisher wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan angeklagt.
Festnahme und Anklage
Australiens höchstdekorierter lebender Soldat, Ben Roberts-Smith, wurde am Flughafen Sydney festgenommen und wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan angeklagt. Die australische Bundespolizei (AFP) und das Office of the Special Investigator (OSI) gaben bekannt, dass dem 47-Jährigen fünf Morde zur Last gelegt werden, die er oder Untergebene in seiner Anwesenheit zwischen 2009 und 2012 begangen haben sollen. Die Opfer waren laut Anklage unbewaffnet und nicht an Kampfhandlungen beteiligt. Die Anklage bezieht sich auf drei Vorfälle: die Tötung zweier afghanischer Männer in Kakarak 2009, den Tod von Ali Jan in Darwan 2012 und die Erschießung zweier Zivilisten in Syahchow 2012.
Hintergrund und Ermittlungen
Die Vorwürfe gegen Roberts-Smith, einen ehemaligen SAS-Korporal und Träger des Victoria Cross, waren bereits Gegenstand eines langjährigen Verleumdungsprozesses, den er 2023 verlor. Ein Bundesgericht befand auf Basis der Wahrscheinlichkeit, dass er an mindestens vier Morden beteiligt war, darunter das Töten eines gefesselten Bauern, den er von einer Klippe stieß. Die aktuellen strafrechtlichen Ermittlungen gestalten sich schwierig, da die Tatorte in Afghanistan für die Behörden unzugänglich sind und Beweise wie Fotos oder Ballistikanalysen fehlen. Ermittlungsdirektor Ross Barnett betonte die praktischen Herausforderungen, da es keine Obduktionen oder offiziellen Todesursachen gibt.
Reaktionen und Bedeutung
Premierminister Anthony Albanese äußerte sich nicht zu dem Fall, um den laufenden Prozess nicht zu beeinflussen. Während die One-Nation-Führerin Pauline Hanson ihre Unterstützung für Roberts-Smith bekräftigte, kritisierten die Grünen die lange Wartezeit auf Gerechtigkeit für die Opfer. Dieser Fall ist Teil der Aufarbeitung des Brereton-Berichts von 2020, der Beweise für 39 unrechtmäßige Tötungen durch australische Elitesoldaten fand und Untersuchungen gegen 19 Personen empfahl. Bisher wurde nur ein weiterer Soldat, Oliver Schulz, angeklagt. Das Australian War Memorial kündigte an, die Beschreibung einer Ausstellung zu Roberts-Smith zu überprüfen.
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