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Wirtschaft 09.07.2026, 05:41 Aktualisiert: 09.07.2026, 15:00

VW: massive Proteste vor Aufsichtsratssitzung zu Sparplänen

VW-Aufsichtsrat berät über Stellenabbau von bis zu 100.000.

Wichtige Fakten

  • VW-Aufsichtsrat berät über Stellenabbau von bis zu 100.000.
  • Proteste an 18 Standorten in Deutschland geplant.
  • Vier Werke in Deutschland von Schließung bedroht.
  • Firmenpleiten im zweiten Quartal auf 20-Jahres-Hoch.
  • DAX erholt sich trotz Ölpreisanstieg und Iran-Konflikt.

DAX erholt sich, VW-Aufsichtsrat tagt unter Protesten

Der DAX zeigt sich am Donnerstag erholt: Das Frankfurter Börsenbarometer steigt rund ein Prozent und notiert knapp über 25.000 Punkten. Damit macht der deutsche Leitindex einen Teil der Vortagesverluste wett, die auf Eskalationen im Iran-Konflikt zurückgingen. Analysten wie Jochen Stanzl von der Consorsbank sehen das geopolitische Risiko als begrenzt an, da keine Seite eine vollständige Kriegswiederaufnahme anstrebe. Die Ölpreise verharren unterdessen mit rund 77 Dollar je Fass Brent auf erhöhtem Niveau, belastet durch die anhaltenden Spannungen am Persischen Golf. Die Wall Street reagierte gelassen: Dow Jones gab 1,1 Prozent nach, S&P 500 und Nasdaq 100 verloren rund 0,3 Prozent. In Tokio legte der Nikkei 1,4 Prozent zu.

VW-Aufsichtsrat: Entscheidungen über Werkschließungen und Jobabbau

In Wolfsburg trifft sich der VW-Aufsichtsrat, um über eine grundlegende Neuaufstellung des Konzerns zu beraten. Medienberichten zufolge plant der Vorstand um CEO Oliver Blume die Schließung von vier deutschen Standorten – Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm – sowie den Abbau von 50.000 zusätzlichen Stellen, weltweit bis zu 100.000. An 18 Standorten in Deutschland finden Proteste der IG Metall statt, die Gewerkschaft wirft dem Management vor, die Misserfolge der vergangenen Jahre auf die Beschäftigten abzuwälzen. In Zwickau, wo 2021 noch 1,2 Milliarden Euro in den Elektroauto-Umbau investiert wurden, fürchten Arbeiter und Lokalpolitiker um die wirtschaftliche Zukunft der Region. Branchenexperten wie Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management warnen, ohne radikale Schritte drohe Volkswagen in zwei bis drei Jahren die Abwicklung.

Firmenpleiten auf höchstem Stand seit 21 Jahren

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt rasant: Laut Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wurden im zweiten Quartal 2026 4.996 Pleiten verzeichnet – so viele wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Das Statistische Bundesamt meldet für das erste Quartal einen Zuwachs um 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wirtschaftsauskunftei Creditreform spricht für das erste Halbjahr vom höchsten Stand seit 13 Jahren. Experten führen dies unter anderem auf das Auslaufen staatlicher Corona-Hilfen zurück, die zwischen 2020 und 2021 rund 140.000 Unternehmen vor der Insolvenz bewahrt hatten. Hinzu kommen strukturelle Probleme, unterbrochene Lieferketten durch den Ukraine- und Iran-Krieg und gestiegene Energie- und Rohstoffpreise. Positive Signale kommen hingegen von den deutschen Exporten, die im Mai den vierten Monat in Folge zulegten.

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