EU verschärft Stahlimport-Regeln: Zölle verdoppelt, Kontingente fast halbiert
Wichtige Fakten
- • Zollfreie Importmenge sinkt um 47% auf 18,3 Millionen Tonnen jährlich.
- • Zollsatz von 50% für Importe über das Kontingent - doppelt so hoch wie bisher.
- • Maßnahme zielt auf Schutz vor günstigem Stahl aus China, Indien und der Türkei.
- • Offizielle Zustimmung von Mitgliedstaaten und Parlament steht noch aus, gilt aber als Formsache.
- • UK-Exporte in die EU sind von den neuen Regeln betroffen.
Neue EU-Regelungen für Stahlimporte
Die Europäische Union hat sich auf eine deutliche Verschärfung der Einfuhrregeln für Stahl geeinigt, um ihre eigene Industrie vor globaler Überproduktion und günstigen Importen zu schützen. Künftig wird die zollfreie Importmenge auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr begrenzt, was einer Reduktion von etwa 47 Prozent gegenüber bisher entspricht. Für alle darüber hinausgehenden Importe soll ein Zollsatz von 50 Prozent gelten, der doppelt so hoch ist wie der aktuelle Satz.
Hintergrund und Umsetzung
Die Vereinbarung zwischen Vertretern des EU-Parlaments und der 27 Mitgliedstaaten zielt darauf ab, Unternehmen in der EU vor günstigem Stahl aus Ländern wie China, Indien und der Türkei zu schützen. Die neue Regelung sieht Flexibilität vor, indem nicht ausgeschöpfte Einfuhrkontingente zwischen Quartalen übertragen werden können. Die aktuelle Verordnung läuft am 30. Juni aus, und die formelle Zustimmung durch Mitgliedstaaten und Parlamentarier gilt als Formsache, bevor die Regeln im Juli in Kraft treten.
Auswirkungen auf Drittländer
Die Maßnahmen betreffen nicht nur asiatische Länder, sondern auch europäische Staaten außerhalb der EU. Während Norwegen, Island und Liechtenstein als Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums von Zöllen ausgenommen sind, wird das Vereinigte Königreich von den neuen Regeln getroffen. Dies unterstreicht die wirtschaftlichen Nachteile des Brexits, da die EU der größte Exportmarkt für britischen Stahl ist. Die britische Stahlindustrie warnt vor einer existenziellen Bedrohung durch die EU-Quoten.
Reaktionen und weitere Details
EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné bezeichnete die Vereinbarung als die "stärkste jemals getroffene Schutzmaßnahme" und einen "Sieg für unsere Stahlwerke, unsere Stahlarbeiter und unsere industrielle Souveränität". Die Europäische Stahlvereinigung Eurofer begrüßte die Maßnahmen, die helfen sollen, den "uns nachhaltigen Importdruck einzudämmen" und eine Lücke für EU-Hersteller zu schaffen, um zusätzliche 15 Millionen Tonnen Stahl für die lokale Nachfrage zu produzieren. Die genauen Länderzuweisungen innerhalb des Kontingents müssen noch verhandelt werden.
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