Hautkrebsscreening steht vor dem Aus
Wichtige Fakten
- • Seit 2008 Screening für alle ab 35 Jahren
- • Sterblichkeit durch Hautkrebs stieg um 60% trotz Screening
- • Wissenschaftliche Studien sehen keinen Nachweis gesenkter Sterblichkeit
- • Bundesgesundheitsministerin Warken plant Streichung
- • Alternative: zielgruppenspezifisches Screening gefordert
Hintergrund und Entwicklung
Deutschland bietet seit 2008 allen gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren ein kostenloses Hautkrebsscreening alle zwei Jahre an. Ziel ist die Früherkennung von malignen Melanomen und weißem Hautkrebs. Jedoch nimmt nur etwa jeder Vierte das Angebot wahr. Die Krankenkassen verzeichnen seitdem einen massiven Anstieg von Diagnosen und Behandlungen: Laut Barmer stiegen Behandlungen von schwarzem Hautkrebs um 20 %, von weißem sogar um 100 %. Die stationären Behandlungen nahmen laut Statistischem Bundesamt um fast 90 % zu.
Kontroverse um Nutzen
Der Nutzen des Screenings ist wissenschaftlich umstritten. Eine Cochrane-Metaanalyse und ein Review im NEJM sehen keine ausreichenden Belege für eine Senkung der Sterblichkeit. Tatsächlich sind die Todesfälle durch Hautkrebs in den letzten 20 Jahren um etwa 60 % gestiegen. Kritiker befürchten viele falsch-positive Befunde und Überdiagnosen. Der BVDD und Dermatologen wie Andreas Montag warnen vor der Abschaffung, da durch das Screening viele Hautkrebsfälle frühzeitig erkannt und behandelt würden. Professor Jean-Francois Chenot beurteilt das Screening dagegen als nicht funktioniert.
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