Honorarkürzungen für Psychotherapeuten verschärfen Versorgungskrise
Wichtige Fakten
- • Honorare für Psychotherapeuten werden ab 1. April um 4,5% gekürzt
- • Seit 2013 stiegen Psychotherapeuten-Honorare um 52%, andere Ärzte nur 33%
- • Wartezeiten auf Therapieplätze betragen oft sechs Monate bis ein Jahr
- • Kassenärztliche Bundesvereinigung will juristisch gegen Kürzungen vorgehen
Situation
Die gesetzlichen Krankenkassen kürzen die Honorare für Psychotherapeuten ab dem 1. April um 4,5 Prozent, begründet mit einem überproportionalen Anstieg der Vergütungen seit 2013 um durchschnittlich 52 Prozent, während andere ärztliche Fachgruppen nur etwa 33 Prozent mehr erhielten. Der Erweiterte Bewertungsausschuss beschloss diese Kürzung gegen die Stimmen der Psychotherapeutenvertreter, nachdem Verhandlungen zwischen Kassenärztlichem Bundesverband und GKV-Spitzenverband gescheitert waren.
Folgen
Psychotherapeuten wie Johannes Grapendorf aus Stuttgart kritisieren die Kürzungen als wirtschaftlich bedrohlich und ungerecht, da sie lange Ausbildungen und hohe Kosten für Kassenzulassungen tragen. Experten wie Dietrich Munz, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg, befürchten, dass die Attraktivität des Berufs sinkt und weniger Nachwuchs gewonnen wird, während bereits jetzt Wartezeiten auf Therapieplätze von sechs Monaten bis zu einem Jahr üblich sind.
Reaktionen
Die betroffenen Therapeuten organisieren Proteste und Messenger-Gruppen, und die Kassenärztliche Bundesvereinigung plant eine Klage gegen die Honorarkürzung. Viele Psychotherapeuten könnten sich gezwungen sehen, weniger Kassenpatienten zu behandeln, da Privatpatienten mit bis zu 170 Euro pro Sitzung lukrativer sind als Kassenpatienten mit etwa 120 Euro, was die Versorgungslage für psychisch Erkrankte weiter verschlechtern würde.
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