Hunderte Tote bei Luftangriff auf Entzugsklinik in Kabul – Pakistan bestreitet ziviles Ziel
Wichtige Fakten
- • Taliban korrigieren Opferzahlen auf 408 Tote und 265 Verletzte nach Luftangriff auf Omid-Klinik in Kabul.
- • Pakistan bestreitet gezielten Angriff auf Klinik, spricht von präzisen Militärschlägen auf Taliban-Einrichtungen mehrere Kilometer entfernt.
- • UN-Hilfsmission UNAMA bestätigt, dass die Entzugsklinik von pakistanischem Luftangriff betroffen war, fordert unabhängige Untersuchung.
- • Klinik war früher US-NATO-Militärbasis 'Camp Phoenix', beherbergte bis zu 3.000 Patienten in überfüllten Zuständen.
- • Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan eskaliert seit Februar zu 'offenem Krieg' mit Grenzgefechten und Luftangriffen.
Verheerender Luftangriff auf überfüllte Entzugsklinik
Die Taliban-Regierung in Afghanistan wirft Pakistan einen schweren Luftangriff auf die Omid-Entzugsklinik für Drogenabhängige in Kabul vor, bei dem nach aktualisierten Angaben 408 Menschen getötet und 265 verletzt wurden. Der stellvertretende Taliban-Sprecher Hamdullah Fitrat berichtete auf X von korrigierten Zahlen, nachdem zunächst von 400 Toten und 250 Verletzten die Rede war. Die UN-Hilfsmission UNAMA bestätigte, dass die Klinik von einem pakistanischen Luftangriff betroffen war. Die BBC besuchte die brennende Klinik, wo Rettungskräfte weiterhin Leichen aus den Trümmern bargen – bisher wurden mindestens 100 Tote zur forensischen Abteilung gebracht, die genauen Zahlen bleiben unabhängig unverifiziert. Laut Gesundheitsministeriumssprecher Sharafat Zaman waren zum Zeitpunkt des Angriffs etwa 3.000 Patienten in der eigentlich für 2.000 Personen ausgelegten Einrichtung.
Pakistan bestreitet ziviles Ziel und gibt präzise Militärschläge zu
Pakistan wies die Darstellung der Taliban zurück und erklärte, man habe präzise Angriffe auf militärische Einrichtungen und Terrorinfrastruktur in Kabul sowie in der Provinz Nangarhar durchgeführt, um Kollateralschäden zu vermeiden. Ein Sprecher des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif betonte, man greife keine zivilen Ziele an. Das Informationsministerium gab auf X an, die angegriffene Klinik liege mehrere Kilometer entfernt vom Ziel 'Camp Phoenix'. Ein pakistanischer Regierungsbeamter sagte der dpa: 'Wir werden unsere Angriffe nicht unterbrechen. Wir wollen den Schwung der Operation nicht verlieren, auch wenn es zu einem Fehlschlag gekommen sein könnte.' Die Klinik befand sich auf dem Gelände der ehemaligen US-NATO-Militärbasis Camp Phoenix, die 2016 in ein Rehabilitationszentrum umgewandelt wurde.
Eskalation des Grenzkonflikts zu offenem Krieg
Der Angriff erfolgte im Kontext eines eskalierenden Grenzkonflikts, der seit Februar wieder aufgeflammt ist und von Pakistan als 'offener Krieg' bezeichnet wird. Ein brüchiger Waffenstillstand vom Oktober wurde gebrochen, seitdem kam es zu Luftangriffen und Grenzgefechten mit zivilen Opfern auf beiden Seiten. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich 'bestürzt über jüngste Berichte über Luftangriffe Pakistans in Afghanistan und die daraus resultierenden zivilen Opfer' und forderte eine unabhängige Untersuchung. UN-Sprecher Thameen Al-Kheetan verlangte in Genf eine 'prompte, unabhängige und transparente' Aufklärung des 'tragischen Blasts'.
Internationale Reaktionen und Ausblick
China versucht weiterhin zu vermitteln und hat Gespräche mit beiden Seiten geführt, um eine Deeskalation zu erreichen, bislang ohne Erfolg. Indien, das enge Beziehungen zu den Taliban unterhält, verurteilte den Angriff auf die Klinik. Die Taliban kündigten nach dem Angriff wahrscheinlich militärische Vergeltung an, und es gibt bereits erste Berichte über Drohnenangriffe auf pakistanische Militäranlagen. Die Situation bleibt angespannt, mit fortgesetzten Gefechten entlang der 2.600 km langen Grenze und zivilen Opfern auf beiden Seiten, während die Weltöffentlichkeit sich auf andere Konflikte konzentriert.
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