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Kultur 10.03.2026, 12:42 Aktualisiert: 10.03.2026, 18:05

Kulturstaatsminister Weimer sagt Buchhandlungspreis-Verleihung nach Kontroverse ab

Kulturstaatsminister Weimer hat die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises am 19. März 2026 abgesagt.

Wichtige Fakten

  • Kulturstaatsminister Weimer hat die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises am 19. März 2026 abgesagt.
  • Drei linke Buchhandlungen wurden zuvor über das 'Haber-Verfahren' vom Verfassungsschutz geprüft und gestrichen.
  • Die betroffenen Buchhandlungen klagen gegen den Ausschluss und erhielten Unterstützung vom Schriftstellerverband PEN.
  • Der Preis ist mit 7.000 bis 25.000 Euro dotiert und würdigt engagierte kleine Buchläden.
  • Weimers Vorgehen gilt juristisch als umstritten und wird als 'Gesinnungsprüfung' kritisiert.

Absage der Preisverleihung

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises bei der Leipziger Buchmesse am 19. März 2026 abgesagt. Grund ist die anhaltende Debatte um den Ausschluss von drei linken Buchhandlungen von der Nominiertenliste. Ein Sprecher Weimers erklärte, dass diese Kontroverse den Sinn der Veranstaltung überlagere und eine angemessene Würdigung der Preisträger kaum noch möglich erscheine.

Hintergrund und Kritik

Weimer hatte die Buchhandlungen "The Golden Shop" aus Bremen, "Rote Straße" in Göttingen und "Zur schwankenden Weltkugel" in Berlin aufgrund von "verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen" gestrichen, die durch das sogenannte Haber-Verfahren gewonnen wurden. Bei diesem Verfahren werden beim Bundesamt für Verfassungsschutz Abfragen durchgeführt, ohne dass die Betroffenen informiert werden. Die betroffenen Läden kündigten Klagen an und erhielten Kritik vom Schriftstellerverband PEN. Der Vorgang gilt juristisch als umstritten, da der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages bereits 2020 auf verfassungsrechtliche Bedenken hingewiesen hatte.

Juristische und politische Dimension

Die Kontroverse hat eine breitere politische Dimension erreicht. Weimer wird vorgeworfen, eine "Gesinnungsprüfung" durchzuführen und sich über die Entscheidung einer unabhängigen Jury hinwegzusetzen. Der Verfassungsschutz sammelt normalerweise Informationen über extremistische und terroristische Organisationen, was die Anwendung auf Buchhandlungen in der öffentlichen Wahrnehmung als schwer vermittelbar erscheinen lässt. Das Ministerium plant nun eine öffentliche Dialogveranstaltung zu Kunst- und Meinungsfreiheit, während die Preisgelder und Urkunden direkt an die Sieger übergeben werden sollen. Diese Entwicklung folgt auf andere kontroverse Entscheidungen Weimers, die bereits zuvor für Unmut in der Kulturszene gesorgt hatten.

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