Hauptprozess zum Zugunglück in Griechenland beginnt mit 36 Angeklagten und Hunderten Zeugen
Wichtige Fakten
- • 57 Menschen starben im Februar 2023 bei der schwersten Zugkatastrophe Griechenlands.
- • 36 Personen, darunter ein Fahrdienstleiter und Bahnmitarbeiter, müssen sich vor Gericht verantworten.
- • Die Regierung wird beschuldigt, EU-Gelder nicht in Sicherheitstechnik investiert zu haben.
- • Die Europäische Staatsanwaltschaft ermittelt, aber die Regierung blockiert Ermittlungen gegen Minister.
- • Überlebende und Angehörige fordern Gerechtigkeit und eine lückenlose Aufklärung.
Prozessbeginn in Larissa
In Griechenland hat der Hauptprozess zum Zugunglück vom 28. Februar 2023 begonnen, bei dem 57 Menschen starben – die schwerste Bahnkatastrophe in der Geschichte des Landes. Der Prozess findet im Konferenzzentrum der Universität in Larissa statt, mit etwa 150 Zeugen und über 250 Anwälten. Angeklagt sind 36 Personen, darunter ein Fahrdienstleiter, der die Züge auf ein Gleis schickte, und weitere Bahnmitarbeiter sowie zwei italienische Ex-Mitarbeiter der Bahngesellschaft Ferrovie dello Stato. Die Anklage wirft ihnen vor, durch gefährliche Handlungen den Tod und schwere Verletzungen verursacht zu haben.
Politische Vorwürfe und Proteste
Die Tragödie hat sich zu einem Politikum entwickelt, mit Vorwürfen der Korruption und Vertuschung gegen die Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis. Kritiker werfen der Regierung vor, vorhandene EU-Gelder nicht in moderne Sicherheitstechnik investiert zu haben, was nach Ansicht der Europäischen Staatsanwaltschaft unter Laura Kövesi das Unglück hätte verhindern können. An jedem Jahrestag kommt es zu Generalstreiks und Protesten, die zu den größten in Griechenland seit Jahrzehnten zählen. Ein 24-Stunden-Streik der Bahnarbeiter wurde als Akt des Gedenkens und Protests angekündigt.
Hoffnungen und Ängste der Betroffenen
Überlebende wie Dina Magdalianidi, die schwer verletzt wurde und seitdem mit Schuldgefühlen kämpft, und Angehörige wie Ilias Papagelis, der seine Tochter verlor, fordern Gerechtigkeit bis in die höchsten Regierungsebenen. Während der Prozess Hoffnung auf Aufklärung bietet, sind viele skeptisch, da die Regierung mit ihrer absoluten Mehrheit Ermittlungen blockiert und keine politischen Amtsträger angeklagt sind. Aus den Protesten könnte eine neue politische Kraft um Maria Karistianou entstehen, die bei den nächsten Parlamentswahlen antreten will, um Korruption zu bekämpfen.
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